Die Bühne Aarau startet in die dritte Saison unter der künstlerischen Leitung von Ann-Marie Arioli. «Préparation pour un miracle» ist die Eröffnungsproduktion mit Vorstellungen am 4. und 5. September 2026 in der Alten Reithalle.
Das neue Saisonprogramm ist soeben erschienen und wurde in den vergangen Tagen an die Community versandt. Von Ann-Marie Arioli erfahren wir mehr, was das aktuelle Saisonprogramm ausmacht und weshalb man unbedingt einmal Theaterluft schnuppern sollte.
Die neue Saison ist nun Ihre dritte Spielzeit bei der Bühne Aarau. Gibt es einen roten Faden oder ein Thema, das sich durch das Programm zieht?
Das heimliche Thema ist der Spielzeit 2026/27 ist «Eine Welt voller Wunder», denn Wunder brauchen wir alle: alltägliche, aussergewöhnliche, persönliche und gesellschaftliche Wunder. In der Eröffnung «Préparation pour un miracle» steht der Schauspieler, Tänzer und Artist Marc Oosterhoff auf einer leeren Bühne und sucht den Ausgang. Es ist eine Hommage ans Theater, aber auch an all die Zu- und Unfälle, die uns begegnen – und immer machen wir weiter, bis wir einen Ausgang finden.
Dieses Stück schlägt den Bogen zum 11. Cirqu’-Festival, das am Ende der Saison steht, aber auch zu «Ozeanbitter – oder Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind», dem ebenso unglaublichen wie komischen Erstlingsstück der Aarauer Schauspielerin und Autorin Anna Blumer.
Welche Positionen oder Stimmen möchten Sie in Aarau besonders sichtbar machen?
Wir setzen einen Schwerpunkt bei Theater vom Balkan, das eine äusserst reiche und vernetzte Theaterlandschaft besitzt. Eine sehr grosse Anzahl Aargauer:innen spricht zu Hause Albanisch und wir haben aus dem Kosovo die Produktion «Pristina – die vorsätzliche Tötung eines Traums» eingeladen, einen realen Krimi über die Nachkriegszeit und Städtebau. In «Klapa» von Patricija Katica Bronić aus Basel verbinden sich der gleichnamige kroatische A-Capella-Gesang mit schweizerischem Jodel, um über Gemeinschaft und Einsamkeit nachzudenken, während Milan Milanski in seinem ersten Comedy-Programm «Schwugo», das schweizweit für Furore gesorgt hat, sein Coming-out in einer serbischen Familie beleuchtet. Sehr glücklich sind wir, dass in der nächsten Spielzeit eine Zusammenarbeit mit argovia philharmonic die Bühne erobern wird: Das Ballett «Romeo & Julia» von Otra Danza aus Spanien mit dem Orchester unter der Leitung von Josep Vicent.
Was kann Theater heute leisten, was andere Medien nicht können, und welche gesellschaftlichen Debatten sollten auf der Bühne unbedingt stattfinden?
Theater ist immer live und es schafft stets – für einen kurzen Moment – eine Gemeinschaft, die es sonst nicht gegeben hätte. Mit unseren partizipativen Angeboten, den Spielclubs, dem Bühne Aarau Ensemble, aber auch viel Arbeit an den Schulen und den Workshops, die wir anbieten, für Familien oder Publikum (wie gemeinsames Singen vor «Klapa») stehen bei uns auch Experten des Alltags auf der Bühne. Alle können bei uns Bühnenluft schnuppern und das führt auch zu gesellschaftlich relevanten Diskussionen wie in unserem Generationenclub, der sich letztes Jahr mit Demokratie und dieses Jahr mit «Warteraum» beschäftigt. In weiteren Vorstellungen in der Saison 2026/27 geht es etwa um Fragen wie, ob Erben gerecht ist in «Jeeps» oder wie man würdevoll altern kann in der schwarzhumorigen Komödie « 4/5 oder von der Kunst keine Fahrstuhlmusik zu werden». Aargauer Zeitgeschichte steht mit dem Rechercheprojekt zu Lily Glarner «Aus der Zeit» auf dem Spielplan und eine musikalische Umsetzung Schweizer Kolonialgeschichte mit «Wax Traders». Und wer gemeinsam im Anschluss über die Vorstellungen mit anderen und mir diskutieren möchte, meldet sich für den Publikumsrat an.
Wenn das Publikum die neue Saison mit einem einzigen Gefühl verlassen würde – welches sollte das sein?
Möglichst staunend! Für mich ist es immer am schönsten, wenn Menschen nach einem Stück sagen, das hätte sie berührt oder sie hätten die Welt oder ein bestimmtes Thema gerade aus einem neuen Blickwinkel wahrgenommen. Oft aber ist es einfach nur schön, etwas erlebt zu haben, sich gut unterhalten zu haben und danach mit anderen bei einem Glas Wein in der Bar im Stall den Abend ausklingen zu lassen.
von Corinne Gubler